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Raben

6 vollgeladene Geschirrspüler, 3 Wäsche-Ladungen. Ich putze das Treppenhaus, weil Kehrwoche ist und sowieso der ganze Dreck im Haus von uns kommt. Der Kleinste ist die ganze Woche krank gewesen und am Samstag Nachmittag fällt mir auf, dass ich schon 56 Stunden nicht vor der Haustür war (Treppenhausputzen zählt nicht als Spaziergang). Ich gehe alleine durch die Straßen. Es ist schon dunkel und neblig, eine Zeit für händchenhaltende Hundebesitzer. Auf der Straße liegt eine Matratze; ich hüpfe darauf herum. Am Sonntag gehe ich mit dem Mittleren spazieren, wir beobachten Raben in den kahlen Bäumen. Abends will ich Hummus zu machen, den ich versalze, was mir sonst nie passiert. Der Kleine fällt beim Toben um und blutet wie verrückt. Ich erinnere mich noch, wie sein großer Bruder das erste Mal richtig stark aus dem Mund blutete, beim dritten Kind ist es nicht mehr so erschrecken. Ich sitze auf dem Küchenfußboden mit dem blutenden Kind auf meinem Schoß, Kühlpack, Taschentücher, neben mir der versalzene Hummus und denke über die Raben nach, die auf den wacklig-dünnen Ästen der Baumspitzen so sicher zu sitzen scheinen.