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Mainzelmännchen, Milchschnitte, Marketing – Werbung und Kinder

Der große Sohn war bei Freunden und hat dort ferngesehen. Fernsehen darf er bei uns zu Hause natürlich auch, wir sind generell ein sehr medienfreundlicher Haushalt – es gibt keine Medienverbote, so lange die Nutzung altersgerecht ist und in Maßen erfolgt. Bei anderen Leuten fernzusehen ist aber immer besonders spannend, weil man da Sachen gucken kann, die man entweder nicht kennt, nicht darf oder weil man endlich gemeinsam mit den Freunden beim Fernsehen fachsimpeln kann.

Wieder zu Hause erzählte er mir begeistert, dass etwas ganz Cooles gesehen hätte: nämlich kurze Folgen in denen einen Sachen gezeigt werden, die man kaufen kann, Spielsachen, Essen und lauter so Kram. Das gefiel ihm und er wollte gerne auch bei uns mal diese Folgen schauen.

Es dauert einen Moment, bis mir auffiel, dass er von Fernsehwerbung sprach. Bei uns gibt es KiKa (ohne Werbung) oder Netflix, das bedeutet das Konzept der Fernsehwerbung war ihm nicht bekannt. Ich glaube die einzigen Werbeclips, die er bei uns je gesehen hat waren vor Youtube-Videos, das ist aber natürlich nicht zu vergleichen mit speziell an Kinder als Markt gerichteter Fernsehwerbung. Fernsehwerbung war in meiner Kindheit ein zentrales Element meines Fernsehkonsums und ich kann immer noch Werbemelodien der 80er Jahre singen oder Slogans nachplappern und habe die, den Werbeblock einleitenden, Mainzelmännchen geliebt. Ich frage mich wofür der ganze Hirn-Speicherplatz, der bei mir für Werbung draufgegangen ist, bei meinen Kindern eingesetzt wird, lose vermute ich, dass dort zum Beispiel die Namen von 150 Pokémons abrufbar sind.