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Mein #muttertagswunsch

Meine Mutter hat früher immer gesagt, dass sie den Muttertag blöd findet, weil sie möchte, dass wir ihrer Arbeit das ganze Jahr über Wertschätzung entgegenbringen. Das hat mich immer überzeugt und dementsprechend war der Muttertag auch nie ein Thema in meiner Familie – außerdem bin ich kein großer Fan von zwanghaften und wenig authentischen Bastelgeschenken. Da habe ich mich mehr gefreut, als mein Sohn seine neuen Schreibkenntnisse in einem Brief an mich ausprobiert hat, mit dem wunderschönen Inhalt: “Mama, du Kakewust.”

Als ich am 25. April die Tweets von Mutterseelesonnig sah, die sich gesellschaftliche Veränderungen statt Schnickschnack und Gedöns zum Muttertag wünschte, hatte ich die Hoffnung, dass unter dem Hashtag #muttertagswunsch die Realitäten von Familien und Müttern in Deutschland sichtbar würden und Forderungen gestellt werden, die über Sekt, Schokolade und Frühstück im Bett herausgehen. Nun gibt es einen tollen initialen Blogpost zu der Aktion und ich hoffe, dass viele weitere folgen werden. Hier sind meine Muttertagswünsche:

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Care-Arbeit Galore // Mein Wochenende in Bildern: 16. und 17. April 2016

Unter #wochenendeinbildern kann man regelmäßig einen tiefen Einblick in das Familienleben von zahlreichen deutschen Familienblogs bekommen. Ich sehe diese Posts meistens recht gerne, weil ich es schön finde, wenn andere Eltern mir ein Fenster in ihren Alltag aufmachen. Gleichzeitig verstehe teile ich die polemisch formulierte Kritik von Suse (femilyaffair), die diese Bilderreihen als Druck empfindet und die fehlende Vielfalt der postenden Teilnehmer kritisiert. (Nach ihrem für mich ganz amüsanten Parodie-Post entbrannte eine Diskussion auf Twitter und Facebook, in der es darum ging, ob der Post von Suse nicht eine Form von Mütter-Bashing ist. Immerhin sind Frauen/Müttern/Eltern mit Kindern im öffentlichen Raum sowieso marginalisiert und unterrepräsentiert und sich über die Selbstrepräsentation von Müttern im Internet lustig zu machen, begibt sich gefährlich in die Nähe von misogynen Argumentationsmustern.)

Ich möchte dennoch erstmalig mitmachen und habe beschlossen einfach mal mein Wochenende im Hinblick auf die permanent zwischendurch geleisteten Care-Arbeit zu reflektieren – ein Wochenende mit drei Kindern ist nämlich bezüglich des Erholungswertes ziemlich weit entfernt von Erholung und Entspannung. Auf der einen Seite ist das Wochenende also höllisch anstrengend und auf der anderen Seite gibt es eben doch immer wieder diese wunderschönen idyllischen Familienmomente. Mal schauen, ob ich beidem gerecht werden kann.

Kaum ist Sonne wird das Spielzeug rausgepackt. Folge: Kinder waren nass von den Wasserpistolen und das Sandspielzeug liegt jetzt immer noch auf dem Balkon verstreut.

Momentan sind Kühlpacks bei uns im Dauereinsatz. Dieses Mal flog eine Holzzange gegen Kinderlippe. Das bedeutet kühlen, Blut wegwischen und trösten, hat insgesamt locker eine halbe Stunde gedauert.

Momentan sind Kühlpacks bei uns im Dauereinsatz. Dieses Mal flog eine Holzzange gegen Kinderlippe. Das bedeutet kühlen, Blut wegwischen und trösten, hat insgesamt locker eine halbe Stunde gedauert.

Das Baby isst jetzt Banane, Spinnen isst es nicht, aber die verteilt sein Bruder in der Wohnung - er liebt Insekten.

Das Baby isst jetzt Banane, Spinnen isst es nicht – aber die verteilt sein Bruder in der Wohnung. Er liebt Insekten.

Wir haben einen Sohn, der leidenschaftlich Sushi und Gorgonzola isst. Der andere isst am liebsten Nudeln ohne alles und hat ein großes Misstrauen gegenüber Soßen. Ich hätte nicht gedacht, dass wir mal Ketchup und Nudeln anbieten würden, tun wir jetzt aber.

Wir haben einen Sohn, der leidenschaftlich Sushi und Gorgonzola isst. Der andere isst am liebsten Nudeln ohne alles und hat ein großes Misstrauen gegenüber Soßen. Ich hätte nicht gedacht, dass wir mal Ketchup und Nudeln anbieten würden, tun wir jetzt aber.

Immer immer Sand....

sand sand sand sand sand immer immer sand….

Ich bekomme von diesen entspannten Baby-Schlaf-Händen nie genug.

Ich bekomme von diesen entspannten Baby-Schlaf-Händen nie genug.

Sonntag morgens im Bett - leider früh, trotzdem schön!

Sonntag morgens im Bett – leider früh, trotzdem schön!

Fahrradfahren üben ist eine rückenfeindliche Angelegenheit.

Sonntagsspaziergang in Wind und Sonnenschein am Hafen entlang.

Sonntagsspaziergang in Wind und Sonnenschein am Hafen entlang.

Riesenrad sind wir auch gefahren - das war sehr spannend (und durch den Wind leider auch ziemlich kalt) für die Kinder.

Riesenrad sind wir auch gefahren – das war sehr spannend (und durch den Wind leider auch ziemlich kalt) für die Kinder.

Das Wohnzimmer verwandelt sich Sonntags in Legoland, da unsere Wohnung nicht besonders groß ist für fünf Personen.

Das Wohnzimmer verwandelt sich Sonntags in Legoland, da unsere Wohnung nicht besonders groß ist für fünf Personen.

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Die Waschmaschine muss auch am Wochenende laufen, sonst versinken wir in Wäsche. Care-Arbeit ist oftmals dann am unsichtbarsten, wenn sie gut gemacht wird ….

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Die Renaissance des Zorns oder Warum #älterwerden für mich vor Allem #wütendwerden bedeutet

“Diese korrupten Dreckschweine!” war einer der ersten Sätze, die ich heute morgen gesagt habe. Ich hatte noch keine Hose an und der Morgenkaffee dampfte vor meiner Nase. Mein Mann hat mich über seinen Kaffeebecher wissend angegrinst und das Baby hat ein angekautes Stück Brot auf den Fussboden gewischt. Soviel Wut schon vor acht Uhr – Was hat das mit dem älter werden zu tun? Dazu muss ich ein wenig ausholen.

Ich war ein extrem politisch engagierter und wütender Teenager, habe in meiner antifaschistischen Hochphase sogar die Glanzleistung absolviert meinen alten Großeltern beim Familienkaffee ihr Mitwissertum in der Nazizeit lautstark vorzuwerfen – worauf ich heute nicht stolz bin. Doch irgendwo in der Studienzeit ist mir die Wut abhanden gekommen und es folgten einige Jahre extremer Nabelschau, in denen meine Gedanken vor Allem darum kreisten wo ich als nächstes zum backpacken hinreisen konnte und welche Indie-Band mir am besten gefällt. Ich war so froh endlich in einer Großstadt zu wohnen, dass ich dort erstmal in selbstgefälliger Urbanität versackt bin.

Mit Ende 20 bin ich nach Island gezogen und mit halb ausgepackten Kisten saßen wir dann am 6. Oktober 2008 vor dem Fernseher, als der damalige isländische Premierminister Geir Haarde, mit seiner inzwischen legendär gewordenen Fernsehansage mit den abschließenden Worten in Endzeitstimmung: “Guð blessi Ísland” (Gott schütze Island), den Beginn der Finanzkrise in Island ankündigte. Schwanger war ich dann auf den Protesten der Búsáhaldabyltingin (Küchengeräte-Revolution) und fühlte mich zum ersten mal seit einer ganzen Weile wieder richtig wütend. Die Regierung wurde aus dem Amt gejagt und zahlreiche Isländer, darunter auch wir mit unserem ersten Sohn, verließen in den folgenden Jahren die Insel um anderswo Arbeit zu finden. Was mir blieb war die Wut.

Diese Wut ist mit jedem Jahr des älter werdens und jedem weiteren Kind nicht etwa in Windelbergen und Eltern-Müdigkeit verebbt, sondern nur weiter angewachsen. Vielleicht hat es damit zu tun, dass mit jedem Jahr die eigene Lebenszeit kürzer wird und man irgendwann auch versteht, warum Rentner an der Kasse drängeln. Zumindest habe ich keine Geduld mehr auf Veränderungen zu warten und Gegebenheiten zu akzeptieren.

Nun ist wieder eine Regierung in Island kurz vor dem Kippen, bei uns laufen Nachrichten in Dauerschleife und die Tischgespräche drehen sich um die Wut und Verzweiflung, dass einfach keine Änderung einzutreten scheint, nur neue Wege gefunden werden die alten Strukturen zu erhalten. Sollte das mit dem älter werden und dem wütender werden bei mir so weitergehen, dann wird es zumindest spannend!

(Dieser Post ist ein Beitrag zu Frau Quadratmeters Blogaktion zum Thema #älterwerden)