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Haarig

shampooWas mich wirklich überrascht hat am Leben mit Kindern ist nicht die Schlaflosigkeit, die Essensreste auf dem Fußboden und den Polstermöbeln oder die Tatsache, das es tatsächlich höllisch wehtut nachts auf ein Lego-Männchen zu treten – am meisten überrascht hat mich die neue Verhandelbarkeit meiner eigenen Körperhygiene.

Heute morgen habe ich geduscht. Duschen ist zu diesem Zeitpunkt in meinem Leben wie ein mini-kleiner Spa-Aufenthalt: das warme Wasser prasselt (und übertönt Kinderlärm), ich fühle mich nicht verantwortlich für die Welt jenseits des Duschvorhangs und manchmal baue ich einen kleinen Sekundenschlaf ein. So habe ich heute morgen geduscht und dabei mit müdem Blick auf das Wasser gestiert, das langsam im Abflussrohr verschwand. Danach sind tausend Dinge passiert, ich weiß nur noch, dass ich mich halbherzig gefönt und gleichzeitig versucht habe Wäsche aus der Waschmaschine in den Trockner zu stopfen. Einige Stunden später habe ich beim Blick in den Spiegel verwundert festgestellt, dass meine Haare sonderbar aussehen. Erkenntnis: Ich habe vergessen die Spülung auszuwaschen. Also das Baby dem Mann in die Arme gedrückt, der gerade in der Küche Essen zubereitete und die Haare ein zweites Mal ausgespült und gefönt. Als die Haare dann immer noch sonderbar aussahen, fiel mir auf, dass ich sie gar nicht gewaschen hatte. Ich habe also heute morgen in der Dusche gestanden, Spülung auf meinem Kopf verteilt und bin wieder hinausgestiegen – ohne jemals meine Haare mit Shampoo zu waschen.

Mein erster Gedanke daraufhin war: Wen sehe ich in den nächsten Tagen; Sind meine Haare nun dreckig oder sauber (auch wenn sie dreckig aussehen) und ist es nicht trotzdem okay erst übermorgen wieder zu duschen?

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Einhornkotze

Ich saß vor dem Computer, weil das Baby schlief und ich zu müde war um auch zu schlafen, wie der Mann, der das irgendwie immer schafft. Im Stockwerk unter uns – ein Hoch auf die Maisonette als Lebensform – spielten vier Kinder. Nach einer Stunde habe ich mich die Treppe hinunter getraut zu den vier Kakophonisten-Kindern und alle Knetetöpfchen waren offen. Knallgelbe Plastikgefäße, deren Farbe schon vor dem krümeligen Inhalt zu warnen scheint. Zehn verschiedene Knetefarben auf dem grünen Wohnzimmerteppich, in den hellen Kinderhaaren und auf der roten Couch, als ob eine Horde betrunkener Einhörner sich regenbogenfarben erbrochen hätte. Zumindest klackert getrocknete Knete so zufriedenstellend beim Staubsaugen.