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Wenn Kinderbilder im Netz Familien zusammenhalten

2016-04-24 11.53.39Soll man Kinderbilder in den sozialen Medien oder auf Blogs teilen? Das ist eine Frage, die ziemlich viele Eltern irgendwann beschäftigt und die in Deutschland gerne emotional geführt wird. Auf der #denkst Familienbloggerkonferenz hat Patricia Cammarata (@dasnuf) einen Vortrag über Kinderbilder im Netz gehalten und ihn anschließend als Blogpost veröffentlicht. Mir gefällt an ihrem Text besonders ihre ausgewogene Blickweise auf das Veröffentlichen von Kinderbildern im Internet, das sich immer auf einem Spektrum zwischen Wahrung der Persönlichkeitsrechte einerseits und dem Bedürfnis nach Sichtbarkeit andererseits bewegt. Ich wünsche mir ebenfalls eine Sichtbarkeit von Kindern und Familien im öffentlichen virtuellen Raum und gleichzeitig glaube ich, dass das Veröffentlichen von Kinderbildern nicht auf die leichte Schulter zu nehmen ist. In dem Blogpost von @dasnuf sind auch zahlreiche Links und weiterführende Hinweise auf Texte, die sich mit dem Thema auseinandersetzen. Da wäre unter Anderem der sehr gut gelungene Text von @leitmedium, der sich dem Thema medienwissenschaftlich nähert und auf die historische Differenz in der kulturellen Bewertung von Bild und Text eingeht (das gefällt mir als Literaturwissenschaftlerin natürlich besonders gut). Die Frage, ob es okay ist lustige Anekdoten seiner Kinder zu teilen, wird nämlich deutlich weniger kontrovers diskutiert, als das Teilen von Bildern. Da die Debatte schon weit geführt wurde und ich persönlich einer differenzierten Haltung à la @dasnuf zustimme und auf individuelle Abwägung plädiere und auf Respekt gegenüber den abgebildeten Kindern, möchte ich gar nichts grundsätzliches dazu schreiben. Einzig ein Element scheint mir in der deutschen Debatte noch zu fehlen und zwar die Funktion von Kinderbildern für Familiengefüge, die sich über weit entfernte Kulturkreise erstrecken.

Da die Debatte über das Teilen von Kinderbildern in verschiedenen kulturellen Kontexten sehr unterschiedlich gehandhabt wird, ergeben sich allein aus dem Zusammentreffen von diversen kulturellen Prägungen ganz interessante Problemstellungen. In Island werden beispielsweise die sozialen Medien durch die gesamte Bandbreite der Gesellschaft deutlich intensiver angenommen, man findet unter Anderem auch erhebliche Mengen isländische Senioren bei Facebook und Instagram. Gleichzeitig gibt es in ganz Skandinavien eine deutlich entspanntere Einstellung zu Datenschutz und Privatsphäre, was dazu führt, dass die meisten meiner skandinavischen Freunde munter und häufig Kinderbilder miteinander teilen. Bilder meiner Kinder unter Bezug auf ein sehr spezifisch deutsches Verständnis von Privatheit und kindlichen Persönlichkeitsrechten nicht in den sozialen Medien zu teilen, würde auf den großen Teil der isländischen Verwandtschaft zumindest befremdlich wirken. Diese positive Einstellung zu dem weit verbreiteten Teilen von Familienbildern hat sicherlich auch damit zu tun, dass sich viele isländische Familien über die gesamte Welt verstreut haben – ein Phänomen das übrigens auch auf immer mehr deutsche Familien zutrifft – und über das Internet versuchen miteinander in Kontakt zu bleiben.

Für uns als Familie bedeutet diese globale Ausbreitung unsere Freunde und Verwandten beispielsweise, dass enge Verwandte in den USA, Island, Benin und Deutschland wohnhaft sind und sich sehr wichtige Freunde unserer Familien über ganz Europa und Amerika verstreut finden lassen. Würde ich keine Familienbilder teilen, wären viele liebe Menschen von der alltäglichen Erlebniswelt meiner Kinder ausgeschlossen. Gleichzeitig ist es für meine Kinder ein wichtige und wertgeschätzte Aktivität sich gemeinsam am Wochenende Fotos und Videos von Freunden und Verwandten anzuschauen, die in Blogs und sozialen Medien geteilt werden. So können wir Beziehungen präsent halten, die noch über den – von mir übrigens sehr geschätzten – Online-Eltern-Clan hinausgehen. Denn das Teilen von Alltagserfahrungen und täglichem Erleben ist immer auch ein Anknüpfungspunkt, wenn wir uns nach langen Distanzmonaten wiedersehen – man weiß eben was im Leben der anderen gerade so passiert und welche Ereignisse wichtig sind. Außerdem fühlt man sich auch im Alltag emotional miteinander verbunden und sei es nur durch den schnellen Austausch von liebevollen Kommentaren unter geposteten Bildern oder das angenehme Gefühl einen wichtigen Entwicklungsmeilenstein (erste Zähne, Fahhradfahren, Einschulung etc.) von weit entfernten lieben Menschen zumindest visuell mitbekommen zu haben.

Interessanterweise hat eine enge Freundin von mir beschlossen keinerlei Bilder ihres Kindes zu teilen, nichtmal per eMail. Stattdessen erhalte ich in regelmäßigen Abständen Fotos per Post. Ich freue mich über jedes einzelne Bild und wertschätze die einzelnen Bilder dadurch mit Sicherheit sehr viel mehr, dennoch habe ich oft das Gefühl wenig am Alltag dieser Familie beteiligt zu sein. Das ist erträglich, weil wir uns regelmäßig auch im realen Leben treffen, für das Aufrechthalten einer Verbindung zu unseren weltweit verstreuten Lieben ist diese Form von Privatheit für mich jedoch keine Option.

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Mehrsprachigkeit

Jetzt ist die Studie, die ich bereits aus dem New York Times Artikel zitiert hatte, auch nochmal von der Welt aufgegriffen worden. Lesenswert, vor Allem weil es auch wieder aufzeigt, dass Mehrsprachigkeit, Sprachen lernen und Menschen mit unterschiedlichen Sprachen kennenlernen eine wahnsinnige Bereicherung ist.

“Wer sich jetzt benachteiligt fühlt, weil er nicht von Geburt an mit zwei oder mehr Sprachen aufgewachsen ist, irrt aber. Denn wenn Forscher heute von Mehrsprachigkeit reden, fassen sie das viel weiter als früher. So wie auch in Kinzlers Experiment geht es nicht darum, mehrere Sprachen von Geburt an zu verstehen und zu sprechen, sondern darum, Erfahrungen mit verschiedenen Sprachen zu machen und aktiv zwischen ihnen hin- und herschalten zu müssen und zu können.”

(“Wie Mehrsprachigkeit unser Gehirn verändert” Welt, 10. April 2016)

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Deutsch-isländische Osterhasen

IMG_20160328_102754Sohn2 interessiert sich dieses Jahr besonders für den Osterhasen. Das ist neu, denn im letzten Jahr war Vorfreude noch nicht wirklich Bestandteil seines Alltags – mit drei lebt man sehr gut für den Moment, ein Traum für jeden Achtsamkeits-Anhänger. Dieses Jahr sorgte seine gespannte Freude für einen interessanten Sprachmix aus seiner Mutter- und Vatersprache. Das passiert besonders häufig, wenn er ihm wichtige Dinge mit mir und seinem Vater bespricht. Wir sprachen also in den letzten Tagen über den “Osterhasur” (Osterhase mit isländischer Endung -ur) und den Páska-Hase (Páskahéri ist das isländische Wort für Osterhase). Es ist wirklich beeindruckend wie sich bei zweisprachigen Kindern die Grammatiken der Sprachen, phonetische Merkmale und inhaltliche Bestandteile vermischen.