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Deutsch-isländische Osterhasen

IMG_20160328_102754Sohn2 interessiert sich dieses Jahr besonders für den Osterhasen. Das ist neu, denn im letzten Jahr war Vorfreude noch nicht wirklich Bestandteil seines Alltags – mit drei lebt man sehr gut für den Moment, ein Traum für jeden Achtsamkeits-Anhänger. Dieses Jahr sorgte seine gespannte Freude für einen interessanten Sprachmix aus seiner Mutter- und Vatersprache. Das passiert besonders häufig, wenn er ihm wichtige Dinge mit mir und seinem Vater bespricht. Wir sprachen also in den letzten Tagen über den “Osterhasur” (Osterhase mit isländischer Endung -ur) und den Páska-Hase (Páskahéri ist das isländische Wort für Osterhase). Es ist wirklich beeindruckend wie sich bei zweisprachigen Kindern die Grammatiken der Sprachen, phonetische Merkmale und inhaltliche Bestandteile vermischen.

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Karwoche // Care-Woche – Gedanken über das Aushalten von Kummer

carewochHeute ist Karfreitag, was ich vor Allem daran merke, dass momentan zwei Kinder unser Wohnzimmer auseinandernehmen. Religiöse Feiertage werden in unserer Familie zwar wahrgenommen, jedoch setzen wir uns – in typisch säkular-spirituellem Mischmasch – nur bedingt inhaltlich damit auseinander. Nun hat Antje Schrupp einen beeindruckenden Text über den Karfreitag, das “Stiefkind unter den Feiertagen” geschrieben. In ihrem Text versucht sie eine Bedeutung des Karfreitags für unsere Gegenwart herauszuarbeiten, die zugegebenerweise nicht ganz so einfach zu finden ist, wie bei den “fröhlicheren” religiösen Feiertagen.

“Der Karfreitag könnte ein Feiertag sein, an dem wir uns diese brutale Realität der Menschheit ganz ohne verschönerndes Brimborium vor Augen führen. Ein Tag im Jahr, an dem wir kollektiv nicht die Augen vor dem Elend verschließen, sondern es uns ganz bewusst vergegenwärtigen. Ein Tag, an dem wir nichts beschönigen, sondern hinschauen, wie das Blut fließt, auch wenn es uns erschreckt und Angst macht. Nicht, um uns schuldig zu fühlen. Sondern um uns der Wirklichkeit zu stellen. Ein Tag, an dem wir nicht behaupten, schnelle Lösungen zu haben, wenn uns nur mal jemand machen ließe. Sondern ein Tag, an dem wir es aushalten, keine Lösung zu haben.

Aushalten, dass Gott tot ist.”

Sich dem Leiden und Schmerz in der Welt zu stellen halte ich für eine gute Idee und besonders den Karfreitag als Feiertag dafür zu nutzen gefällt mir gut – wie setzt man das mit Kindern um? Wir haben heute mit unseren Kindern über Idomeni gesprochen und über Flucht und die Ursachen dafür. Das sind Dinge, die schon seit einigen Monaten sehr präsent in unserer Familie sind und viel Zeit und Energie kosten; es ist immerhin nicht einfach das Thema für einen 6- und einen 4-jährigen zu bearbeiten. Genau diese Zeit wollen wir aber “investieren”, weil wir hoffen weltoffene und empathische Kinder zu erziehen.

Und in Bezug auf all diese “investierte” Zeit wären wir bei dem anderen spannenden Teil von Antje Schrupps Artikel – genauer gesagt ihrem Verweis auf die schweizer Idee aus der Karwoche eine Care-Woche zu machen und sich mit den gesellschaftlichen Bedingungen und der ökonomischen Relevanz von Care-Arbeit auseinanderzusetzen (mehr Info: hier). Ich sitze gerade ziemlich müde auf unserem Bett, neben mir schläft mein 6-Monate alter Sohn und ich höre unten meine anderen Söhne enthusiastisch mit Lego spielen – Care-Arbeit prägt also meinen Alltag momentan ganz gewaltig. Arbeit, die kaum Anerkennung oder nennenswerte Unterstützung erfährt und die dennoch ein wesentliches Fundament unserer Gesellschaft bildet. Was hat nun diese Care-Arbeit mit der Zurkenntnisnahme von Leid in dieser Welt zu tun? Meiner Meinung nach ganz viel!

Für mich ist ein wesentliches Element von meiner familiären Care-Arbeit die Möglichkeit durch meine Anwesenheit und das “Sehen” von Kummer oder Schmerz meiner Kinder zu deren Wachstum beizutragen. Zentrales Element des Großwerdens von Kindern ist ja das ständige Wachsen an Schmerz, Frustration und das Auseinandersetzen mit negativen Gefühlen – vom Kleinkind-Wutanfall bis zu den großen sozialen Grundschuldramen. Ich kann als Mutter in einer solchen Situation zwar trösten, streicheln und Lösungsvorschläge machen, meist geht es aber nur darum mich selbst zurückzunehmen und einfach da zu sein – Sehen und Anerkennen, dass meine Kinder Kummer haben und das auszuhalten ohne sofort verzweifelt Lösungen zu finden, Frustrationen aufzuheben oder Ablenkungen zu schaffen. Sich so intensiv mit dem Wachstum und den dazugehörigen negativen Emotionen von Kindern auseinanderzusetzen kostet viel Zeit und Energie, die gegenwärtig im Rahmen der gesellschaftlichen Unsichtbarkeit von Care-Arbeit gesellschaftlich leider kaum wahrgenommen wird.